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Vielfalt in Einigkeit

Das südöstliche Gebiet Polens mit einem Teil von Kleinpolen und Karpatenvorland, zusammen mit dem nordöstlichen Teil der slowakischen Karpaten und einem Teil der Ukraine ist ein Gebiet, das mit der Grenzlandkultur fasziniert. Dieses Gebiet, wo sich der katholisch-lateinische Westen mit dem byzantinisch-orthodoxen Osten traf, wurde von einer ethnisch differenzierten Bevölkerung bewohnt.

Die Begegnung von beiden Zivilisationen brachte anfangs gegenseitige Isolation mit unterschiedlicher Intensität und Folge. Die Unterschiede vertieften sich hauptsächlich auf der religiösen Ebene durch gegenseitige Abneigung der Ost- und Westkirche. Dessen Wiederspiegelung waren deutliche kulturelle Unterschiede in der sakralen Kunst und Architektur.

Katholische Kirchen orientierten sich nach römischen Basiliken: sie wurden  mit einem oder mehreren Schiffen und einem Presbyterium gebaut.

Der Sakralbau der Russen lehnte sich an den byzantinischen Traditionen des dreiteiligen architektonischen Stils an.

Mit der Zeit jedoch, ins Besondere in der Neuzeit, folgte gegenseitiges Durchdringen der Kulturen, was Spuren in der schönen Architektur der katholischen und orthodoxen Kirchen hinterließ. Latinisierung von griechisch-katholischen Kirchenformen, typisch für das polnisch-russische Grenzland, wie auch Entlehnung von östlichen Mustern für latainische Kirchen ließen sich sehen.

In der Zeit vom 14. bis 17. Jahrhundert, und ins Besondere im 16. Jahrhundert, wurden die polnischen und slowakischen Bergebiete stark angesiedelt, unter anderen von russisch-orthodoxen Russen und Walachen, die später eine sesshafte Lebensweise annahmen und uns bekannte ethnographische Gruppen der Lemken und Bojken bildeten.

Die Lemken, genannt auch Rusniaken, waren eine russische Bevölkerungsgruppe, die in den Niederen Beskiden und im Tal der Oslawa im Osten und in einem Teil der Sandezer Beskiden ansässig war.

Die Bojken waren Bewohner der Bieszczady-Gebirge, die im Norden der Ostkarpaten, von der Quelle des Flusses San bis Lomnica in der Ukraine ansässig waren. Im Osten grenzten sie an Huculenland.

Vom Glauben sowohl der Lemken wie auch Bojken zeugen prachtvolle orthodoxe Kirchen, die nach bestimmten Regeln gebaut wurden. Anfangs unterschieden sie sich nicht von den orthodoxen Holzkirchen, die in Rothreußen gebaut wurden. Mit der Zeit jedoch, besonders von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert wurden die orthodoxen Kirchen der Lemken mit einem abgestuften Wahndach versehen, das mit Zwiebelkuppeln und Scheinlaternen bekrönt wurde.

Zu dem dreiteiligen Grundriss wurde später auch - wie in römisch-katholischen Kirchen - der Eisbrecher hinzugebaut, in dem sich gewöhnlich die Glocken befanden. Von dieser Zeit an waren die Türme ein untrennbares Element der unierten Kirchen in den Ostkarpaten.

In der Kirchenarchitektur der Lemken aus den Sandezer und Niederen Beskiden und in der Slowakei kann man folgende Typen unterscheiden:

- Nord-westlich: dreiteiliger quadratischer Grundriss mit einem stattlichen Turm mit steilen Wänden, die Kirche mit einem Zeltdach mit Turmhelmen gedeckt.

- Südlich: der Bau scheinbar zweiteilig, über dem Presbyterium und über dem Schiff ein gebroches Zeltdach. Über dem Frauenbereich – der Kirchturm.

- Nord-östlich: der Kirchbau zwei- und dreiteilig, mit einer Sakristei an Presbytrium oder Frauenbereich angebaut. Charakteristisch – alle Teile der Kirche sind gleich hoch und mit einem Steildach mit Helmen gedeckt.

- Allgemein, dekadent: dreiteilger Bau mit einem Kirchenturm im Westen, das Schiff und Presbyterium mit einem Steildach mit Helmen gedeckt.

Die Kirchen der Bojkoten,  ins Besondere im Zentralgebiet des Bojkotenlandes, hatten ein charekteristisches gestaffeltes Zeltdach, das an die chinesischen Pagoden erinnerte. Vielleicht ging es darum, die hohen Koppeln mit den Bergspitzen zu harmonisieren.

Die nächste ethnographische Gruppe des Karpatenvorlandes bildeten „Pogórzanie“. Sie waren eine Bevölkerung polnischer  Abstammung  mit der Beimischung der deutschen und russisch-walachischen Ansiedler. Sie bildeten eine Durchgangsgruppe zwischen der Bevölkerung, die das Gebirgsgebiet und die, die das Tieflandsgebiet bewohnte.

Neben ihnen bildeten sich  „Dolinianie“ aus, eine polnisch-russische Bevölkerung, die die Talkessel in der Gegend von Sanok, Bukowisko und Lesko bewohnte.

Im Gebiet des Karpatenvorlandes, wo die „Podgórzanie“ wohnten, dominierten vorwiegend römisch-katholische Holzkirchen. Die ersten entstanden schon im 15. Jahrhundert. Es waren Bauten, deren Wände Kammkonstruktion hatten und das Presbyterium mit einer dreiseitigen Absis sich einem Schiff anschloss, das der Form eines Quadrats ähnlich war. Die Türme wurden etwas später angebaut. Zu den ältesten gehören die Kirchen in Haczów, Blizne, Golcowa, Domaradz, Humniska und Iwonicz, wo die Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umgebaut wurde.

Am besten blieben die Kirchen in Trzcinica, Święcane, Binarowa, Sękowa und Libusza erhalten, viele von denen in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurden.

Die Wiederspiegelung aller dieser Kulturstile fand ihren Platz in dem neu entstandenen Erholungs- und Rehabilitationszentum Caritas in Myczkowce: Johannes Paul II-Ökumenischen Kulturzentrum. Es ist ein Miniaturpark mit Holzarchitektur, der Kirchenmodelle sammelt. Der Park wurde mit der Absicht angelegt, die Vielfalt der sakralen Holzarchitektur, charakteristisch für einzelne ethnische Gruppen auf dem Gebiet des heutigen polnisch-slowakisch-ukrainischen Grenzlandes, zu zeigen.

Das Zetrum wurde eröffnet und geweiht am 16. Oktober 2007, am Wahltag von Johannes Paul II zum Papst. Ihm, dem Anhänger der Wiedervereinigung aller Christen wurde er gewidmet.

Auf dem Gelände von 0,8 ha, auf 10 Hügeln, wurden 140 Modelle der ältesten katholischen, griechisch- und russisch- orthodoxen Holzkirchen aus dem südöstlichen Polen, der Slowakei und Ukraine im Maßstab 1:25 aufgestellt.

Die Modelle wurden unter Leitung von Janusz Kuliga, einem Handwerker aus Chmielnik bei Rzeschau, angefertig; die Gebietsarchitektur dagegen bereitete Norbert Piekarski aus Blizne vor. Die Ausstellung ergänzen Musik und religiöser Gesang, die für die einzelnen religiös-ethnischen Gruppen charekteristisch sind, wie auch mehrsprachiger Kommentar bei der Auskunftstelle.

Die Darstellung der sakralen Architektur in Miniatur ist eine Rückkehr zu den vergangenen Zeiten. Darüber hinaus ist die sakrale Kunst fragil, wovon Kirchenbrände in Opaka, Komańcza oder in Libusza zeugen. Deshalb ist sie auch zeigenswert.

Der andere Grund für Entstehung des Ökumenischen Kulturzentrums ist ein Versuch, in die Vergangenheit anders zu blicken, vor allem in die Vergangenheit des Biesczczady-Gebiets, wo sozial-politische Antagonismen auf die religiöse Ebene übertragen wurden.

Das Bieszczady-Gebirge ist ein Gebiet, das neben den touristischen Werten eine komplizierte schmerzvolle Geschichte hat. Sie prägt sich bis heute im Leben der wenigen bodenständigen Einwohner aus. Die Erinnerung an das Heimat weckt in den nach dem Zweiten Weltkrieg Vertriebenen Heimweh, Sehnsucht und untröstliches Leid.

Das Unrechtsgefühl wegen der Zwangsaussiedlung weckt Ärger und Abneigung gegen die, die ihre väterliche Scholle einnahmen. Diese schmerzliche Vergangenheit wurde oft einseitig und tendenziös dargestellt.

Das Ökumenische Kulturzentrum soll also helfen, die andere Seite wahrzunehmen: dass über alles, was uns getrennt hat, trotz der schmerzhaften Geschichte, wahre Liebe herrschen soll. Einigkeit kann nur mit Liebe erzielt werden. Diese Liebe soll also Grundlage für jegliche Menschenverhältnisse sein. Die Aufschrift am Haupteingang „LIEBE ÜBER ALLES“ erinnert an diese Wahrheit alle, die das Ökumenische Kulturzentrum betreten. 

Die gegenwärtigen Generationen haben die Pflicht, die verschwindenden Kulturen zu bewahren, neue Dialogebenen, Verständigung und Achtung zu suchen. Diesem Problem wurde die Wissenschaftstagung, die die Eröffnung des Ökumenischen Kulturzentrums begleitete, gewidmet. Folgende Themen wurden besprochen:

- Geschichte der Kirche im polnisch-slowakisch-ukrainischen Grenzgebiet

- Dialog zwischen katholisch-orthodoxen Schwesterkirchen

- ethnographische und kulturelle Verschiedenheit dieser Gebiete

Die Idee der Gemeinschaft trotz aller Unterschiede wird im Ökumenischen Kulturzentrum in Myczkowice, das schon seit vielen Jahren als „Stadt der Liebe“ gennant wird, verwirklicht. Es werden hier Ferienlager für Kinder aus der Ukraine und aus Weißrussland, unter denen viele zu der orthodoxen Kirche gehören. Gemeinsame Spiele und Picknicke mit polnischen Kindern werden teilweise als Geschichts- Kultur-, Religions- und Traditionsunterricht veranstaltet. Besondere Atmosphäre im Johannes Paul II-Ökumenischen Kulturzentrum fördert wahre Einigkeit und Ökumene, die auf gegenseitigem Verständnis, ohne Vorurteile und Stereotype und vor allem auf wahrer Liebe aufgebaut wird.